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Naturparadies Oberbillwerder


Billwerder Oberbillwerder Bergedorf

So könnte die Sandaufschüttung zur Versiegelung von 124 ha aussehen …

in der Dimension "Fußballfelder" sind dies ca. 174 Fußballfelder! (1 ha= 100 x 100 Meter, 1 Bundesliga-Fußballfeld= ca. 105 x 68 Meter)

Oberbillwerder Sand Sandaufschüttung Hamburg Bergedorf Billwerder
Noch ein Vergleich für die Dimension: Der Hamburger Stadtpark hat 148 ha Fläche.

Das Ende einer unverbauten und artenreichen Offenlandschaft, die Zerstörung des Landschaftsbildes und die Vernichtung der Existenzgrundlage der Landwirte und Reiterhöfe ist in der Planung!

In Hamburg gibt es ein Biotopverbundsystem, das gewährleisten soll, dass Naturschutzgebiete nicht isoliert voneinander liegen. Die Billwerder Feldmark liegt zwischen den NSGs „Boberger Niederung“ , „Reit und Hohe“ und „Allermöher Wiesen“ und stellt einen wichtigen Teil des Biotopverbundes dar.

In den vergangenen Jahrzehnten wurde dieser Korridor auf Allermöher Seite und im Bereich des Gleisdreiecks immer schmaler. Autobahn und Bahndamm liegen zudem wie ein Riegel quer in diesem Gebiet. Bisher entspannt sich die Situation auf der Billwerder Seite des Bahndammes, weil dort noch vom Mittleren Landweg bis Bergedorf West eine unverbaute und artenreiche Offenlandschaft u.a. mit zahlreichen Marschbeetgräben und deren Säumen erhalten ist. 

Mit dem Bau von Oberbillwerder würde der Korridor zwischen den NSGs nun auch auf der Billwerder Seite so schmal werden, wie er in Allermöhe schon ist. Gebaut werden soll zudem auf naturschonend genutzten Grünländereien, wo seltene und ungewöhnlich viele geschützte Tier- und Pflanzenarten ihren Lebensraum haben. Hier haben international bedrohte Vogelarten wie z.B.  Rohrweihe, Wachtelkönig, Feldlerche, Kibitz, Bekassine u.a. Ihren Lebensraum. 

Das Gebiet von Oberbillwerder ist nicht nur Acker, sondern grüne Infrastruktur, die große Teile Bergedorfs als Luftaustauschbereich schützt. Ein neuer Stadtteil mit 7.000 Wohneinheiten und 15.-20.000 Bewohnern würde das lokale Klima unmittelbar verschlechtern.



Zum dritten Male soll die Fläche Oberbillwerder Hamburger Wohnungsprobleme lösen

§ 1 Abs. 5 des Bundesnaturschutzgesetzes verlangt, dass Flächen im Innenbereich recycelt und zur Wohnraumgewinnung genutzt werden statt Landschaftsflächen im Außenbereich in Anspruch zu nehmen. Dass an solchen Orten lebendige Quartiere entstehen können, zeigen Hafencity, Neue-Mitte-Altona oder Sonninquartier in Hammerbrook. Und dies wird auch auf dem Kleinen Grasbrook funktionieren.

Was die Planung fragwürdig macht sind:

  • schlecht funktionierende Stadtteile im Umfeld
  • ein veralteter und störanfälliger ÖPNV
  • eine schwierige Straßenanbindung
  • ein kompliziert zu erschließender Marschbodenuntergrund
  • die für die Fahrradreichweite zu große Distanz
    zur Innenstadt

Auch zwölf Entwürfe rennomierterter Architekturbüros und der letztlich ausgewählte Masterplan konnten an dieser kritischen Ausgangslage des Plangebietes nichts verändern.

 

 

Da es keine Definition des „geschützten Kulturlandschaftsraumes Billwerder“ gibt, agiert die Stadt Hamburg als Eigentümerin der Fläche wie ein privater Investor und will maximal entwickeln. Zudem gilt die Fläche im Landschaftsplan als bereits bebaut. Daher greift die Unterschriftenaktion des NaBu „Hamburgs Grün erhalten“ hier nicht mehr. Aber es reicht nicht nur zu erhalten, was anderweitig geschützt ist. Der Kulturlandschaftsraum ist mehr nur als die besondere Bebauung entlang des Billwerder Billdeiches:

 

  • viele geschützte Denkmäler
  • der  Biotopenverbundkorridor
    im westlichen Teil von Oberbillwerder
  • die Grünflächen am Mittleren Landweg
    (geschützter Zweiter Grüner Ring)
  • die Landschaftsschutzgebiete
  • das Überschwemmungsgebiet der Bille

 


Bekassine, Blaukehlchen und Nachtigall sind hier noch an Marschengräben zu Hause

Natur-Vielfalt, wie man sie kaum für möglich hält: Auszug aus einer Senatsantwort (SKA 2.5.18), sicherlich nicht mit vollständiger Aufzählung: "Folgende in der Roten Liste genannten Tier- und Pflanzenarten sowie Biotope wurden in Oberbillwerder gefunden:
Vögel:

BekassineBlaukehlchenBluthänflingEisvogelFeldlercheFeldschwirlGartenrotschwanzGelbspötterGrauschnäpperHaussperling,
KiebitzKnäkenteKuckuckNachtigallRebhuhnRotschenkelSchilfrohrsängerStieglitzSumpfrohrsängerWachtelkönigWiesenpieper 
[nicht aufgeführt Wiesenschafstelze]
.


Amphibien:

Grasfrosch, Moorfrosch, Braunfrosch, Seefrosch, Teichfrosch, Teichmolch, Kammmolch.


Fledermäuse:

Breitflügelfledermaus, Großer Abendsegler


Muscheln und Schnecken:

Schöne Erbsenmuschel, Flusskugelmuschel, Große Erbsenmuschel. Vorkommen der Zierlichen Tellerschnecke wurden nicht festgestellt.


Pflanzen:

Gewöhnlicher Odermennig, Hunds-Straußgras, Weinberg-Lauch, Acker-Fuchsschwanz, Schwarznessel, Roggen-Trespe, Fuchs-Segge, Rauhes Hornblatt, Zartes Hornblatt, Sumpf-Blutauge, Gewöhnliches Kammgras, Sumpf-Weidenröschen, Kleinblütiges Weidenröschen, Sonnenwend-Wolfsmilch, Wasserfeder, Dreifurchige Wasserlinse, Straußblütiger Gilbweiderich, Wild-Apfel, Weiße Seerose, Berchtolds Laichkraut, Kamm-Laichkraut, Haar-Laichkraut, Ranunculus auricomus agg. (Artengruppe Gold-Hahnenfuß), Spreizender Wasserhahnenfuß, Schwarze Johannisbeere, Krebsschere, Zottel-Wicke.

Arbeitsgemeinschaft
„Paradies Billwerder erhalten“
der Dorfgemeinschaft Billwärder an der Bille e.V.
Billwerder Billdeich 241 · 21033 Hamburg