Jede Menge Sand auf Billwerder

-aus einem Bericht der Bergedorfer Zeitung (8.1.2019)-

Die 124 Hektar gleich nördlich vom S-Bahnhof Allermöhe müssen mit Sand oder Kies um durchschnittlich 1,2 Meter aufgeschüttet werden. „Das sind knapp 1,5 Millionen Tonnen, also rund 75.000 Lkw-Ladungen“, folgert Plambeck in einem Schreiben, das an alle Fraktionen in Bezirksversammlung und Bürgerschaft gegangen ist. „Bei 140 Lkw täglich an fünf Arbeitstagen dauert das rund 19 Monate. Und da sind die Zeiten für die Herrichtung der Baustraßen sowie die eigentlichen Hochbauarbeiten noch gar nicht mit eingerechnet“, ist Gerd Plambeck entsetzt. „Alles zusammen kostet etliche Millionen Euro, die in den Rechnungen für Oberbillwerder bisher gar nicht auftauchen – und am Ende vom Steuerzahler beglichen werden müssen.“

 

-Kosten je Tonne bis zu 10 Euro

Experten werten Plambecks Rechnung sogar als zu optimistisch, wie die Bergedorfer Zeitung auf Nachfrage erfuhr. So wird für Baugrund wegen seiner besonderen Verdichtung fast das Doppelte an Material gebraucht – konkret 2,6 Millionen Tonnen, die bei den 140 werktäglichen Lkw-Fahrten also gut drei Jahre Anlieferzeit brauchen. Die Kosten je Tonne können dabei zwischen 6 und deutlich über 10 Euro liegen – je nachdem, wie weit der Weg vom Abbauort nach Oberbillwerder ist.

 

Hinzu kommen Verteilung, Verdichtung und eventuell Hunderttausende Tonnen Sand zusätzlich, damit auch der Untergrund für die späteren Häuser ausreichend gepresst, also „aufgelastet“ wird. Das lässt die Kosten leicht auf 30 Millionen Euro, wahrscheinlich sogar darüber wachsen.

Oberbillwerder Sand
So soll Landschaft in Oberbillwerder für immer versiegelt werden.

„Oberbillwerder hat den doppelten Sandbedarf des riesigen DHL-Logistikzentrums, das gerade an der Autobahn-Ausfahrt Harburg der A 1 entsteht“, sagt Andreas Buhk von der RBS Kiesgewinnung GmbH in Billwerder, die Teil der Liefergemeinschaft waren. „Dort haben wir für die Auflast 900.000 Tonnen Sand zusätzlich gebracht und später wieder abgefahren.“

  

- IBA hält Zahlen für übertrieben

Für Oberbillwerder hält die zuständige städtische IBA alle genannten Zahlen für übertrieben: „Wegen der umfangreichen Grün-, Frei- und Wasserflächen des Stadtteils werden nur 56 Prozent der 124 Hektar aufgehöht, das sind 730.000 Kubikmeter“, sagt Sprecher Stefan Laetsch. Die Kosten wären also deutlich unter den 30 Millionen Euro. „Sie werden derzeit gutachterlich kalkuliert – und komplett von unserer Projektentwicklungsgesellschaft IPEG übernommen“. Woher und wie das Material nach Oberbillwerder kommt, werde noch in einem „Sandmanagement-Konzept“ erarbeitet.



Mutig: Bauen auf Marschboden

Könnte so aussehen: "Ur-Suppe" in Hammerbrook - Moorboden mit Holz-Einlagerung
Könnte so aussehen: "Ur-Suppe" in Hammerbrook - Moorboden mit Holz-Einlagerung

Dem Newsletter "Neues aus Oberbillwerder Januar 2020" ist zu entnehmen, dass eine einfache Verdichtung durch Sandauffahren in Oberbillwerder nicht ausreichen wird (Auszug):

Im vorangegangenen Masterplan für Oberbillwerder erstellten Andreas Kosack und sein Team (Grundbauingenieure Steinfeld und Partner) bereits ein Konzept zum Erdbau und zur Baugrundverbesserung. „Darauf können wir jetzt aufbauen und ermitteln, wie wir den Umfang von erforderlichem Bodenaushub bzw. Bodenaustausch im Sinne von Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit minimieren können. Hier finden wir belastungsempfindliche Böden, wie Torf und hohe Grundwasserstände. Um darauf einen idealen Baugrund herzustellen, brauchen wir schluffarmen Sand, der hoffentlich aus lokalen Gruben geliefert werden kann und daher keine weiten Wege zurücklegen muss. Schon bei unserer Grundlagen-ermittlung für Oberbillwerder berücksichtigten wir die langfristigen Kriechsetzungen von Torfboden, die zukünftig auf ein geringes Maß zu reduzieren sind.“

 

Was ist Schluff? Zur Einordnung hier etwas "Erd-Kunde":
Sand= Körner mit Durchmesser von 0,063 mm bis 2 mm

Schluff= Körner 0,002 mm bis 0,063 mm

Ton= Partikel mit Durchmesser kleiner 0,002 mm

Lehm= Gemisch von Sand, Schluff, Ton ungefähr gleiche Anteile.


Sand: kostbar und immer knapper

Der Marschboden in Oberbillwerder ist ein denkbar ungünstiger Bau-Untergrund. Um dieses Manko auszugleichen, muss sehr viel Sand aufgeschüttet werden. Das ist ein sehr hoher Energieaufwand. Das ist unter dem Gesichtspunkt Klimaschutz absolut kontraproduktiv. Das verursacht sehr hohe Kosten.

Ebenso ist unklar: Was macht das eigentlich mit der Fläche und dem Untergrund, wenn diese schwere Last darauf liegt?

Informationen zum Thema Sand bietet z. B. 21Grad 

oder dieses Video von Arte (11:57 / 2018):

Boberger Dünen
Auch die Boberger Dünen waren früher deutlich höher... Der Sand wurde für Aufschüttungen im Hamburger Stadtgebiet und dem Bau von Eisenbahnanlagen zwischen Hamburg und Bergedorf genutzt.

Arbeitsgemeinschaft
„Paradies Billwerder erhalten“
der Dorfgemeinschaft Billwärder an der Bille e.V.
Billwerder Billdeich 241 · 21033 Hamburg